Omnitologie wird geladen.

Die Startseite wird vorbereitet.

ca. 4 Minuten Lesezeit

Kennst du dein Kind wirklich? Warum Jugendliche anders auf die Welt schauen als wir

Dieser Blogartikel ist sehr ehrlich, und im ersten Moment ist er hart, vor allem für Eltern, die jetzt lesen, was ich schreiben werde.

Kennst du dein Kind? Kennst du es wirklich? Gemeint ist die Frage, was dein Kind im Innersten beschäftigt, jenseits der Meinung, die du dir über dein Kind gebildet hast. Bist du bereit, eine ehrliche Antwort zu hören, ohne sie sofort zu korrigieren?

Das Ende des Wenn-Dann

Wir Erwachsenen sind in einer Wenn-Dann-Gesellschaft aufgewachsen. Wenn ich die Schule gut abschließe, dann bekomme ich einen guten Job, und wenn ich jeden Tag mein Zimmer aufräume, dann

wartet ein gutes Leben auf mich. Dieses Aufstiegsversprechen hat unsere Generation über Jahrzehnte getragen und bildet den Kern dessen, was wir Leistungsgesellschaft nennen.

Für die Jugendlichen von heute hat dieses Versprechen seine Kraft verloren. Ich halte das für eine gesunde Reaktion, denn sie steigen aus einem System aus, an dessen Zusagen sie nicht mehr glauben, und genau darin sehe ich die größte Schlucht zwischen ihnen und uns.

Eine Welt, die im Kinderzimmer angekommen ist

Als wir jung waren, bedeutete der Mopedschein mit 16 oder der Führerschein mit 18 Freiheit. Wir bekamen mit, was in unserem engsten Umfeld geschah, während die Weltlage weit weg blieb. Heute liegt sie im intimsten Raum eines jungen Menschen, in seinem Zimmer, und sie begleitet ihn täglich über das Smartphone mit Kriegen, Krisen und Klimawandel.

Wie sehr das belastet, zeigt eine große Befragung von rund 10.000 jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren in zehn Ländern, die 2021 in der Fachzeitschrift The Lancet Planetary Health veröffentlicht wurde. Fast sechs von zehn Befragten gaben an, sehr oder extrem besorgt über die Klimakrise zu sein, und viele berichteten, dass diese Gefühle ihren Alltag beeinträchtigen. Die Shell Jugendstudien zeichnen seit Jahren ein ähnliches Bild einer Generation, die ihre persönliche Zukunft häufig noch zuversichtlich, die Zukunft der Gesellschaft aber deutlich sorgenvoller einschätzt.

Warum Freiheit allein nicht mehr zieht

Uns trugen noch die Hoffnung und das Wissen, dass Wohlstand, ein eigenes Haus, eigene Kinder und ein guter Job glücklich machen. Für viele Jugendliche wirkt dieses Bild fern, weil sie erleben, wie teuer das Wohnen geworden ist, wie unsicher der Arbeitsmarkt wirkt und wie wenig Sicherheit ein guter Abschluss heute verspricht. Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt, wie eine Gesellschaft der ständigen Steigerung und Beschleunigung bei vielen Menschen das Gefühl auflöst, mit der Welt in Verbindung zu stehen, und bei Jugendlichen zeigt sich das besonders früh.

Dazu kommt, dass ein Nervensystem, das dauerhaft Nachrichten, Vergleiche und Erwartungen verarbeitet, kaum zur Ruhe findet. Wer innerlich ständig auf Empfang steht, hat wenig Kraft für Begeisterung und Zukunftspläne, und das, was Erwachsene als Desinteresse lesen, kann in Wahrheit Erschöpfung sein.

Das Pendel schlägt aus

Was ich in meiner Arbeit beobachte, ist, dass Jugendliche ihre Eltern regelrecht dazu zwingen, hinzusehen, nämlich auf den Wandel der Welt. Meine Hypothese mag steil klingen, ich glaube jedoch, dass wir uns in einer großen Pendelbewegung befinden. Das Pendel ist von der Leistungsgesellschaft so weit in Richtung „Es interessiert mich gar nichts“ ausgeschlagen, dass viele Eltern das Gefühl haben, mit ihren Kindern nicht mehr in derselben Welt zu leben.

Zuhören ohne Korrektur

Die Bindungsforschung zeigt seit Langem, dass Kinder und Jugendliche sich öffnen, wenn sie erleben, dass ihre Gefühle ernst genommen werden, auch dann, wenn die Eltern sie nicht teilen. Praktisch heißt das, eine offene Frage zu stellen, die Antwort stehen zu lassen und mindestens einen Tag lang auf Ratschläge zu verzichten. Schon dieses Gespräch verändert viel, weil dein Kind spürt, dass es mit seinem Innersten nicht allein ist.

Zuhören kann auch beim Spielen passieren

Zuhören findet nicht nur im Gespräch statt, es kann ebenso über das Spielen und den Blick aufs Handy geschehen. Das klingt im ersten Moment steil, doch an den Spielen, die dein Kind wählt, lässt sich oft recht schnell erkennen, was ihm im Leben fehlt, um sich wirklich zu bewegen. Ein Kind, das am liebsten im Team spielt, fühlt sich im Alltag womöglich allein und sehnt sich nach Zugehörigkeit, ein anderes sucht in Aufbauspielen das Gefühl, selbst etwas zu gestalten, und wieder ein anderes braucht eine Herausforderung, an der es wachsen kann. Wenn du dich dafür interessierst, hörst du deinem Kind über das Spiel sehr genau zu, und eine offene Frage wie „Was gefällt dir an diesem Spiel?“ öffnet oft mehr als jedes Gespräch über Noten.

Die Motivationsforschung von Edward Deci und Richard Ryan beschreibt drei Grundbedürfnisse, aus denen innere Motivation entsteht: Autonomie, das Erleben von Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Viele Spiele sprechen genau diese Bedürfnisse an, und sie wirken besonders anziehend, wenn der Alltag sie zu wenig erfüllt.

Der innere Antrieb zählt mehr als der äußere

An der Spielwahl wird sichtbar, was dein Kind von innen heraus antreibt, also der intrinsische Sinn, der sich vom äußeren Antrieb unterscheidet, im Außen Materielles anzuhäufen. Gemeint ist die Motivation, das Leben aus dem Inneren heraus mitzugestalten. Ich glaube, dass es dabei weniger darum geht, im Leben etwas zu erschaffen, und auch diese Überlegung halte ich für einen Irrweg unserer Generation. Wir fragen Kinder: „Was wirst du mal? Was willst du einmal werden?“, dabei sind sie längst jemand. Die bessere Frage lautet, was dein Kind im Leben tun möchte und wie es dieses Leben mitgestalten will.

In einer Welt und einer Zukunft, die so unklar ist, trägt der äußere Antrieb nicht mehr weit, und es braucht Antreiber, die aus dem Inneren kommen. Dafür müssen wir Erwachsenen unsere komplette Denkart verändern.

Wirklich zuhören

Die Frage, die ich dir mitgeben möchte, lautet: Bist du bereit, wirklich zuzuhören und deine vorgefertigten Gedanken über das Leben, samt dem Wenn-Dann, loszulassen? Genau das brauchen wir, um wieder in Verbindung mit unseren Kindern zu kommen.

Gerade bei Jugendlichen habe ich die besten Erfolge mit Bioelektrik in Kombination mit der Omnitologie gemacht, melde dich, wenn du, beziehungsweise ihr Unterstützung braucht.

Alle Blogbeiträge