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Warum KI die Psychologie verändern könnte und die Omnitologie sagt: Warum eigentlich nicht?
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inkl. 3 Prompts, die deine KI-Therapie revolutionieren
Immer mehr Menschen erzählen einer KI Dinge, die sie sonst niemandem erzählen. Kann das wirklich helfen? Und wo beginnt etwas, das auch die beste KI nicht für dich übernehmen kann? ca. 3 Min. Lesezeit
Es ist zwei Uhr nachts, du kannst nicht schlafen und dein Kopf läuft. Also öffnest du ChatGPT oder eine andere KI und schreibst: Warum denke ich immer noch an diesen Menschen, obwohl ich weiß, dass die Beziehung vorbei ist? Wenige Sekunden später bekommst du eine Antwort. Keine Terminvereinbarung, keine peinliche Situation, niemand schaut dich komisch an. Du kannst sogar schreiben, dass das nicht trifft und sie bitten, genauer nachzufragen.
Plötzlich entsteht etwas, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Ein Mensch sitzt allein auf seinem Sofa und kann innerhalb weniger Minuten beginnen, seine eigenen Gedanken zu sortieren. Ist das schlecht? Die Omnitologie sagt: Warum eigentlich?
KI kann etwas, das wir Menschen erstaunlich selten tun
Sie kann Fragen stellen und manchmal brauchen wir genau das. Nicht noch jemanden, der sagt, man müsse mehr auf sich achten, solle loslassen oder einfach Grenzen setzen. Das wissen die meisten Menschen längst.
Interessanter wird es, wenn eine KI nachfragt, warum einem gerade bei diesem Menschen ein Nein so schwerfällt, was man glaubt, würde passieren, wenn man ihn enttäuscht, ob man dieses Gefühl aus anderen Situationen kennt. Plötzlich geht es nicht mehr nur um die aktuelle Situation, ein Zusammenhang wird sichtbar. Genau deshalb kann KI für psychologische Selbstreflexion interessant sein.
Hier liegt aber auch die Grenze
Eine KI kennt dein Leben nur durch das, was du ihr erzählst. Sie kann Muster in Sprache erkennen, Informationen ordnen, Gegenfragen stellen und verschiedene Perspektiven anbieten, sie sitzt aber nicht in deinem Leben. Sie erlebt deine Beziehung nicht, sie kennt deinen Körper nicht so, wie du ihn wahrnimmst und sie weiß auch nicht automatisch, ob deine Darstellung vollständig ist.
Vor allem kann sie dir eine Entscheidung nicht abnehmen, denn die überzeugendste Erklärung der Welt ist noch keine Veränderung. Du kannst nach zwei Stunden KI-Gespräch perfekt verstanden haben, warum du einem Menschen immer wieder hinterherläufst und ihm fünf Minuten später trotzdem schreiben. Verstehen und Leben sind eben zwei unterschiedliche Dinge.
Was die Omnitologie dazu sagt
Die Omnitologie ist überhaupt nicht gegen KI, im Gegenteil. Hilft ein Werkzeug Menschen dabei, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu erkennen, spricht nichts dagegen, es zu nutzen. Statt die KI ständig zu fragen, was man tun soll, lohnt sich eher die Bitte, herauszufinden, warum man überhaupt nicht weiß, was man tun möchte. Das ist ein großer Unterschied, die Entscheidung bleibt bei einem selbst.
Probier es einmal aus, aber nicht nett
KI wird besonders interessant, wenn du sie nicht nur bittest, dich zu beruhigen oder deine Sichtweise zu bestätigen. Du kannst ihr ausdrücklich erlauben, dir zu widersprechen und wenn du wirklich hinschauen möchtest, sogar noch einen Schritt weitergehen.
Prompt 1: Wo belüge ich mich selbst?Sei sehr kritisch mit mir. Bestätige mich nicht einfach und versuche nicht, mich zu beruhigen. Lies meine Situation genau und zeige mir, wo ich mir möglicherweise selbst etwas vormache, Tatsachen beschönige oder mir eine Geschichte erzähle, damit ich etwas nicht entscheiden oder verändern muss. Unterscheide klar zwischen dem, was tatsächlich passiert ist und meiner Interpretation davon. Sag mir auch, wenn du für eine Schlussfolgerung nicht genügend Informationen hast.
Prompt 2: Welchen Anteil will ich nicht sehen?Analysiere meine Situation, ohne automatisch Partei für mich zu ergreifen. Wo schiebe ich Verantwortung auf andere? Wo stelle ich mich möglicherweise als machtlos dar, obwohl ich eine Wahl hätte? Welche Widersprüche erkennst du zwischen dem, was ich sage, was ich angeblich möchte und dem, was ich tatsächlich tue? Stelle mir danach drei unangenehme Fragen, denen ich vermutlich lieber ausweichen würde.
Prompt 3: Wenn du mir nicht glauben würdestNimm für einen Moment an, dass meine eigene Erklärung für mein Problem nicht die ganze Wahrheit ist. Welche anderen Erklärungen wären aufgrund dessen, was ich dir erzählt habe, plausibel? Was könnte ich übersehen, weil es nicht zu meinem Selbstbild passt? Welche meiner Handlungen sprechen möglicherweise gegen das, was ich über mich selbst behaupte? Sei klar und kritisch, aber erfinde nichts, was du aus meinen Angaben nicht ableiten kannst.
Jetzt kommt der wichtigste Teil
Lies die Antwort der KI nicht als Wahrheit über dich, sondern als Gegenfrage. Eine KI kann danebenliegen, sie kennt nur das, was du ihr erzählst, sie kann Zusammenhänge falsch interpretieren und manchmal klingt eine Antwort überzeugender, als sie tatsächlich ist. Genau darin kann aber auch ihr Wert liegen, sie kann eine Perspektive formulieren, auf die du selbst nicht gekommen wärst.
Dann beginnt der eigentlich interessante Teil: Was davon trifft dich, weil es wahr sein könnte? Was stimmt überhaupt nicht? Und bei welchem Satz möchtest du dich sofort rechtfertigen? Gerade der letzte Punkt kann aufschlussreich sein, denn manchmal ist nicht die Antwort interessant, sondern die Stelle, an der man innerlich sofort anfängt, sich zu verteidigen.
KI kann dir sogar zeigen, wie unterschiedlich dein Leben aussehen könnte
Genau dieser Gedanke steckt hinter einem der ungewöhnlicheren Werkzeuge der Omnitologie, dem Parallelleben-Simulator. Was passiert, wenn du deinen bisherigen Weg weitergehst? Und was könnte entstehen, wenn du an einer entscheidenden Stelle anders handelst? Das ist keine Zukunftsvorhersage, weder eine KI noch die Omnitologie weiß, was passieren wird. Verschiedene Möglichkeiten konsequent weiterzudenken kann aber etwas sichtbar machen, das im täglichen Grübeln oft verloren geht, nämlich den Preis einer Entscheidung und manchmal auch den Preis des Nichtentscheidens.
→ Parallelleben-Simulator öffnen
Möchtest du zunächst herausfinden, wo du momentan überhaupt stehst, gibt es den Standort-Selbstcheck.
→ Standort-Selbstcheck öffnen
KI verändert vielleicht tatsächlich etwas Grundsätzliches
Früher musste man mit vielen Gedanken allein bleiben oder darauf warten, mit jemandem darüber sprechen zu können. Heute kann man um zwei Uhr nachts anfangen, Fragen zu stellen. Das ist eine große Möglichkeit, aber KI sollte nicht dazu dienen, weniger selbst zu denken. Ihre eigentliche Stärke liegt im Gegenteil darin, uns zu helfen, unbequeme Fragen an uns selbst zu stellen.
Frag sie, widersprich ihr, lass sie deine Geschichte auseinandernehmen, sag ihr ausdrücklich, dass sie dich nicht bestätigen soll. Und dann mach etwas, das keine KI für dich tun kann: Schau auf dein tatsächliches Leben und entscheide selbst, was davon wahr ist. Eine KI kann dir hundert Zusammenhänge zeigen und tausend Möglichkeiten formulieren, aber sie kann dir eine Sache nicht abnehmen, welche davon du leben möchtest. Genau dort beginnt Omnitologie.