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Die omnitologische 3-Fragen-Regel

Wie du deine Wohnung ordnest und dabei auch im Kopf klarer wirst

Es gibt Wohnungen, in denen gar nicht besonders viel herumliegt und trotzdem wirkt alles unruhig. Es gibt aber auch Wohnungen, die voller sind, aber trotzdem eine gewisse Ordnung ausstrahlen. Der Unterschied liegt selten daran, wie viele Dinge jemand besitzt. Entscheidend ist eher, ob diese Dinge einen klaren Platz und damit auch eine klare Bedeutung im Alltag haben.

Ein Gegenstand, der seit Tagen auf dem Tisch liegt, ist selten nur ein Gegenstand. Meistens hängt an ihm noch eine offene Entscheidung. Soll ich ihn behalten, wohin damit, brauche ich ihn noch, muss ich mich darum kümmern. Vielleicht später, vielleicht morgen, vielleicht irgendwann. Genau dieses "irgendwann" ist es, was Räume so schwer macht.

Omnitologisch betrachtet ist Unordnung deshalb nicht nur ein räumliches Thema, sondern entsteht meistens genau dort, wo Entscheidungen offenbleiben und Dinge keinen festen Platz bekommen. Das gilt für dein Zuhause genauso wie für deine Gedanken, weil im Grunde beides nach demselben Fluss-Prinzip funktioniert, das wir hier immer wieder aufgreifen: Alles, was einen klaren Platz und eine klare Richtung hat, kann fließen. Alles andere staut sich.

Die omnitologische 3-Fragen-Regel hilft dabei, diese offenen Schleifen wieder zu schließen.

Frage 1: Brauche ich das in meinem heutigen Leben wirklich?

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob du es irgendwann noch einmal brauchen könntest, ob es einmal teuer war oder ob es dir jemand geschenkt hat. Die eigentliche Frage lautet schlicht: Brauche ich diesen Gegenstand in meinem heutigen Leben wirklich? Das Wort "heute" ist dabei der entscheidende Punkt.

Wir besitzen erstaunlich viele Dinge für Menschen, die wir einmal waren. Kleidung aus einer Lebensphase, die längst vorbei ist. Unterlagen aus Projekten, die es gar nicht mehr gibt. Küchengeräte, die seit Jahren niemand mehr angerührt hat. Dekoration, die früher gepasst hat und Dinge aus Beziehungen oder Wohnungen, die längst abgeschlossen sind.

Oft bleiben solche Dinge nicht, weil wir sie noch brauchen, sondern weil wir nie bewusst entschieden haben, dass ihre Zeit vorbei ist. Aufräumen bedeutet aus omnitologischer Sicht deshalb nicht, möglichst viel wegzuwerfen. Es geht vielmehr darum, wieder einen Zusammenhang zwischen deinem heutigen Leben und den Dingen um dich herum herzustellen. Wenn du etwas regelmäßig verwendest, gerne ansiehst oder wirklich brauchst, darf es natürlich bleiben. Findest du bei einem Gegenstand aber nur Gründe, warum du ihn vielleicht irgendwann einmal brauchen könntest, lohnt sich ein zweiter Blick. Denn oft hältst du dann gar nicht den Gegenstand fest, sondern nur eine Möglichkeit offen.

Frage 2: Wenn ich es behalte, wo ist sein fester Platz?

Hier wird es sehr praktisch. Viele Menschen haben nämlich gar nicht unbedingt zu viele Dinge, sondern vor allem zu viele Dinge ohne festen Platz.

Eine Tasche steht im Vorzimmer, weil sie nirgendwo richtig hingehört. Briefe liegen auf der Küchenplatte. Medikamente wandern von einem Raum in den anderen. Ladekabel liegen dort, wo sie zuletzt benutzt wurden und Kleidung sammelt sich auf einem Stuhl. Irgendwann sieht alles nach Unordnung aus, obwohl eigentlich nur klare Zuordnungen fehlen.

Die zweite Frage lautet deshalb ganz konkret: Wenn dieser Gegenstand bleiben darf, wo lebt er ab jetzt? Nicht ungefähr und nicht irgendwo in diesem Schrank, sondern konkret. Die Schlüssel kommen dorthin, die Tasche hängt hier, die Rechnungen liegen in dieser Lade, die Medikamente gehören an diesen Platz.

Damit passiert etwas Wichtiges, denn du musst dieselbe Entscheidung nicht jeden Tag neu treffen. Genau darin liegt ein großer Teil von Einfachheit, weil gute Ordnung nicht nur Platz spart, sondern auch Gedanken. Ein gutes Ordnungssystem ist deshalb auch nicht das System, das besonders schön aussieht, sondern das, das dir im Alltag möglichst viele unnötige Entscheidungen abnimmt. Musst du beim Aufräumen jedes Mal neu überlegen, wohin etwas gehört, ist die Struktur einfach noch nicht klar genug. Omnitologische Ordnung bedeutet deshalb nicht, ständig aufzuräumen, sondern Dinge so eindeutig zu machen, dass Ordnung irgendwann fast von selbst entsteht.

Frage 3: Was passiert, wenn ich mich jetzt nicht entscheide?

Diese Frage ist oft die entscheidende. Viele Dinge bleiben nämlich nicht liegen, weil wir sie unbedingt behalten wollen, sondern weil wir die Entscheidung vermeiden. Der Brief auf dem Tisch, die Kleidung, die zurückgeschickt werden müsste, die kaputte Lampe, der Karton im Schlafzimmer, das Geschenk, das man eigentlich nicht mag, die Unterlagen, bei denen man nicht weiß, ob man sie noch braucht.

Jedes Mal, wenn wir daran vorbeigehen, treffen wir unbewusst dieselbe Entscheidung: noch nicht. Auch "noch nicht" kostet etwas, nämlich Aufmerksamkeit. Ein kleiner Teil unseres Kopfes erinnert sich immer wieder daran, dass da noch etwas offen ist, vielleicht nur für ein paar Sekunden. Wenn aber zwanzig oder dreißig solcher Dinge gleichzeitig herumliegen, entsteht genau dieses diffuse Gefühl, das viele Menschen kennen: Ich müsste eigentlich einmal mein Leben ordnen.

Dabei müsste man oft gar nicht das ganze Leben ordnen, sondern nur beginnen, offene Dinge zu schließen. Die dritte Frage lautet deshalb: Was kostet es mich, wenn ich diese Entscheidung noch einen Monat offenlasse? Manchmal lautet die Antwort schlicht: gar nichts, dann darf die Entscheidung ruhig warten. Manchmal merkst du aber, dass ein Gegenstand oder eine Aufgabe seit Wochen jeden Tag ein kleines Stück Aufmerksamkeit verlangt. Dann ist Entscheiden keine Härte, sondern Entlastung.

Warum diese drei Fragen auch im Kopf funktionieren

Das Interessante an dieser Regel ist, dass sie nicht nur für Gegenstände funktioniert. Dieselben drei Fragen kannst du genauso auf Gedanken, Aufgaben und Entscheidungen anwenden. Brauche ich dieses Thema in meinem heutigen Leben wirklich noch? Wenn ja, wo gehört es hin, muss ich etwas erledigen, einen Termin machen, ein Gespräch führen oder eine Entscheidung treffen? Und was passiert, wenn ich es weiter offenlasse?

Plötzlich wird aus Aufräumen mehr als Ordnung im Raum, es wird zu einer Form von Klarheit. Ein unaufgeräumter Raum und ein überladener Kopf funktionieren oft erstaunlich ähnlich, denn beides entsteht dort, wo zu vieles gleichzeitig offen ist und nichts einen klaren Platz bekommt.

Fang nicht mit der ganzen Wohnung an

Wenn du diese Regel ausprobieren möchtest, fang nicht gleich mit dem Keller oder dem gesamten Kleiderschrank an. Nimm dir eine kleine Fläche vor, einen Tisch, eine Küchenplatte, eine Kommode oder den Stuhl, auf dem sich immer wieder Kleidung sammelt. Nimm dann jeden Gegenstand einzeln in die Hand und stell dir die drei Fragen: Brauche ich dich? Wenn ja, wo gehörst du hin? Und was passiert, wenn ich mich jetzt nicht entscheide?

Mehr brauchst du für den Anfang nicht. Das wirkt fast zu einfach, aber genau darin liegt der Sinn. Omnitologie muss nicht kompliziert sein, denn oft beginnt Veränderung genau dort, wo etwas wieder logisch, klar und überschaubar wird. Vielleicht merkst du nach einer Weile, dass nicht nur deine Wohnung ruhiger aussieht, sondern auch dein Kopf, weil weniger Dinge gleichzeitig um Aufmerksamkeit bitten.

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