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Warum manche Menschen leichter durchs Leben gehen, obwohl sie genauso viele Probleme haben

Die Omnitologie begann mit einer einfachen Beobachtung auf Tobago: Nicht immer sind es unsere Probleme, die das Leben schwer machen. ca. 3 Min. Lesezeit

Es fing mit einer Frage an, die uns über Jahre begleitet hat: Warum gehen manche Menschen scheinbar leichter durchs Leben, obwohl sie ganz ähnliche Baustellen haben wie alle anderen auch? Nicht weil sie mehr Geld haben, nicht weil ihre Beziehungen immer funktionieren und auch nicht, weil ihnen Krankheit, Verlust oder Sorgen erspart bleiben.

Die Frage führte uns vor allem zu Menschen, zum Zuhören, zum Beobachten und irgendwann auf eine kleine Insel in der Karibik.

Auf Tobago fiel etwas auf

Wer längere Zeit auf Tobago verbringt, erlebt natürlich keine sorgenfreie Welt, auch dort gibt es Geldprobleme, schwierige Beziehungen, Krankheiten, Streit und all die Dinge, die zum menschlichen Leben gehören. Trotzdem fiel Elisabeth Hypolite-Malle und ihrem Mann KC, die viele Jahre sowohl auf Tobago als auch in Europa lebten, immer wieder ein Unterschied auf.

Menschen verbrachten Zeit miteinander, ohne dass daraus etwas entstehen musste, sie lachten, saßen zusammen, redeten und manches, worüber wir Europäer noch drei Tage nachdenken würden, war dort erstaunlich schnell wieder vorbei. Umgekehrt hörten sie von Menschen aus Tobago nach Aufenthalten in Europa immer wieder einen ziemlich direkten Satz: „Ihr Europäer habt aber viel im Kopf.“ Manchmal hieß es noch deutlicher: „Bullshit in their heads.“

Das ist natürlich eine Beobachtung und keine wissenschaftliche Aussage über zwei Kulturen, sie führte aber zu einer spannenden Frage: Was tragen wir eigentlich alles in unserem Kopf herum, das unser Leben schwerer macht, als es sein müsste?

Nicht immer ist das Problem das Problem

Ein Gespräch dauert zehn Minuten, danach denkst du drei Tage darüber nach. Jemand ist schlecht gelaunt und du überlegst sofort, ob du etwas falsch gemacht hast. Dein Partner antwortet anders als sonst und dein Kopf beginnt, eine Geschichte daraus zu bauen. Du machst einen Fehler und ärgerst dich nicht nur darüber, sondern plötzlich über dich selbst.

Das Ereignis ist das eine, was danach in uns daraus entsteht, ist etwas anderes. Genau diese Unterscheidung wurde für die Entstehung der Omnitologie wichtig, denn über die Jahre zeigte sich immer wieder, dass Menschen nicht nur an dem leiden, was passiert. Sie leiden auch an Erwartungen, alten Rollen, übernommener Verantwortung und den Geschichten, die im eigenen Kopf weiterlaufen.

Was zufriedene Menschen offenbar anders machen

Uns fiel auf, dass Menschen, die insgesamt zufriedener wirkten, nicht unbedingt weniger Probleme hatten, sie gingen aber anders damit um. Wenn jemand schlechte Laune hatte, musste das nicht sofort etwas mit ihnen zu tun haben. Sie konnten helfen, ohne automatisch das ganze Problem des anderen zu übernehmen. Sie konnten ihre Meinung ändern, einen Fehler zugeben, eine Grenze setzen. Vor allem schien ihr eigener Wert nicht bei jeder Reaktion eines anderen Menschen ins Wanken zu geraten.

Das bedeutet nicht, dass sie niemals grübelten, verletzt waren oder schlechte Entscheidungen trafen. Sie trugen manches nur nicht so lange weiter.

Dann kam die Psychologie dazu

Als diese Beobachtungen mit der psychosozialen Beratung zusammenkamen, wurde ein weiterer Punkt deutlich: Menschen verstehen oft erstaunlich gut, warum sie etwas tun. Sie wissen, dass sie es allen recht machen wollen, sie kennen ihre Beziehungsmuster, sie wissen, dass sie zu viel Verantwortung übernehmen. Und trotzdem passiert es wieder.

Deshalb begannen wir, die jahrelangen Beobachtungen mit Erkenntnissen aus Psychologie, Ethik und Soziologie zusammenzuführen und systematischer zu betrachten. Nicht mit der Frage, was mit diesem Menschen nicht stimmt, sondern wie das eigentlich entstanden ist und wozu es einmal gut war.

Manches, was dich heute stört, hat dir früher geholfen

Du hast früh gelernt, die Stimmung anderer Menschen wahrzunehmen, das war möglicherweise einmal sehr klug. Heute bemerkst du noch immer sofort, wenn dein Partner anders schaut und dein Nervensystem reagiert, bevor überhaupt etwas passiert ist. Du warst in deiner Familie diejenige, die vermittelt hat, heute löst du noch immer Probleme für alle. Du hast gelernt, dass Leistung Anerkennung bringt, heute kannst du kaum auf dem Sofa liegen, ohne das Gefühl zu bekommen, eigentlich etwas tun zu müssen.

Dann ist das Verhalten nicht einfach schlecht, es ergibt plötzlich Sinn. Nur bedeutet das noch lange nicht, dass du es heute noch brauchst.

Genau daraus entstand Omnitologie

Omnitologie möchte nicht erklären, wie ein Mensch richtig sein sollte, sie versucht sichtbar zu machen, was in seinem Leben miteinander zusammenhängt. Was ist tatsächlich heute passiert? Was davon gehört zu deiner Geschichte? Welche Rolle spielst du immer wieder? Was trägst du für andere? Was macht dein Körper dabei? Und was davon möchtest du heute überhaupt noch?

Wenn du einen Zusammenhang erkennst, entsteht etwas Entscheidendes: Du bekommst wieder eine Wahl. Vorher lief ein Automatismus, jetzt kannst du entscheiden.

Schau, was du selbst mit dir herumträgst

Dafür gibt es auf der Omnitologie-Seite den Muster-Kompass. Er hilft dabei, wiederkehrende Muster im eigenen Leben zu erkennen und einmal genauer hinzuschauen, wo sie einem begegnen.

→ Muster-Kompass öffnen

Vielleicht stellst du dabei etwas fest, das auch uns bei der Entwicklung der Omnitologie immer wieder begegnet ist: Du musst nicht jedes Problem verhindern, du musst auch nicht jeden Gedanken lösen und nicht jede Reaktion eines anderen Menschen zu deiner machen. Es geht viel öfter darum, unterscheiden zu lernen, was wirklich zu deinem Leben gehört und was du nur schon so lange mit dir herumträgst, dass du vergessen hast, es irgendwann auch ablegen zu dürfen.

Genau dort beginnt womöglich diese Leichtigkeit, nach der damals gesucht wurde und genau diese Frage war der Anfang der Omnitologie.

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