ca. 3 Min. Lesezeit
Wie viel Welt muss ich eigentlich täglich in mir tragen?
Kennst du das Gefühl, wenn du morgens noch nicht einmal richtig wach bist und schon Krieg, Wirtschaft, Politik, eine Katastrophe irgendwo auf der Welt und noch eine Krise mehr direkt auf dein Handy fallen? Kein sanfter Einstieg in den Tag, sondern gleich der volle Ernst der Welt, bevor du überhaupt den Kaffee in der Hand hast. Wenn du dich danach angespannt, gereizt oder einfach nur erschöpft fühlst, ist das keine Überempfindlichkeit von dir, sondern eine ganz normale Reaktion auf eine ziemlich unnormale Menge an Information.
Wie informiert bleibe ich, ohne ständig im Alarmzustand zu sein?
Ich glaube nicht an klassische Ratschläge wie einfach das Handy wegzulegen oder für eine Woche komplett offline zu gehen. Das mag kurzfristig helfen, aber es beantwortet die eigentliche Frage nicht, nämlich wie du in einer Welt lebst, die ständig Nachrichten produziert, ohne innerlich ständig im Alarmzustand zu sein. Die Lösung liegt selten darin, weniger zu wissen, sondern eher darin, anders mit dem umzugehen, was du weißt.
Eine Frage, die ich dir hier gerne mitgeben möchte, lautet: Wann wird Nachrichtenkonsum bei mir eigentlich zu zwanghafter Kontrolle? Es gibt einen Unterschied zwischen sich informieren und alle zwanzig Minuten nachschauen, ob sich etwas verändert hat, in der stillen Hoffnung, dadurch irgendwie mehr Sicherheit zu bekommen. Meistens passiert genau das Gegenteil, denn je öfter du nachschaust, desto größer wird das Gefühl, dass alles außer Kontrolle ist.
Wie ich urteilsfähig bleibe, wenn andere sich schon ganz sicher sind
Neben der schieren Menge an Nachrichten kommt gerade noch etwas anderes dazu, nämlich eine politische Stimmung, in der viele Menschen um dich herum ziemlich überzeugt zu wissen scheinen, wer an allem schuld ist. Das erzeugt einen eigenen Druck, weil man sich schnell gedrängt fühlt, auch eine klare Meinung zu haben, am besten sofort und am besten laut.
Ich möchte hier ganz bewusst keine politische Position vertreten, denn das ist nicht meine Aufgabe und auch nicht mein Anliegen. Was mich viel mehr interessiert, ist die Frage, wie du urteilsfähig bleibst, wenn um dich herum immer mehr Menschen sich immer sicherer sind. Wie hältst du es aus, wenn zwei Informationen, die beide plausibel klingen, sich widersprechen? Wann merkst du, dass gerade nicht mehr dein Verstand urteilt, sondern deine Angst? Und was ist eigentlich Tatsache, was ist Interpretation und was ist nur der Druck, den eine Gruppe um dich herum gerade ausübt?
Diese Fragen zu stellen bedeutet nicht, dass dir nichts mehr wichtig sein darf. Es bedeutet nur, dass du dir selbst die Zeit gibst, bevor du eine Position übernimmst, die eigentlich gar nicht deine ist, sondern nur gerade am lautesten in deinem Umfeld zu hören war.
Was das für deinen Alltag bedeutet
Du musst nicht jede Nachricht in dir tragen, nur weil sie existiert. Du darfst dich informieren, ohne dich dabei ständig innerlich in Alarmbereitschaft zu versetzen und du darfst eine Meinung haben, ohne sie dir von der lautesten Stimme in deinem Umfeld vorgeben zu lassen. Das ist kein Rückzug aus der Welt, sondern eher der Versuch, wieder selbst zu entscheiden, wie viel Welt du gerade wirklich in dir tragen kannst, statt einfach alles ungefiltert durchzulassen.
Wenn dich das gerade selbst beschäftigt, findest du auf omnitologie.com kostenlose Selbstchecks, die dir helfen können, wieder klarer zu sehen, was dich gerade wirklich belastet und was du davon loslassen darfst.