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Du hast ständig ein schlechtes Gewissen? Vielleicht ist dein Gewissen gar nicht das Problem

Warum wir manchmal Dinge weitertragen, die längst vorbei sind und was das Flussprinzip damit zu tun hat. ca. 3 Min. Lesezeit

Du sagst Nein und fühlst dich danach schlecht. Du sagst ein Treffen ab und überlegst Stunden später noch, ob der andere jetzt enttäuscht ist. Jemand reagiert komisch auf dich und dein erster Gedanke ist, ob du etwas falsch gemacht hast.

Ein schlechtes Gewissen kennen wir alle und manchmal ist es auch wichtig. Wenn wir jemanden verletzt haben oder gegen unsere eigenen Werte gehandelt haben, dürfen wir hinschauen und Verantwortung übernehmen. Aber was ist mit diesem anderen schlechten Gewissen, dem, das bleibt, obwohl eigentlich längst alles geklärt ist?

Es geht gar nicht um Schuld

Ein Gespräch dauert zehn Minuten, aber danach führst du es im Kopf noch drei Tage weiter. Du erklärst noch einmal, warum du so reagiert hast, überlegst, ob du etwas anders hättest sagen sollen, stellst dir vor, was der andere jetzt über dich denkt. Äußerlich ist die Situation längst vorbei, innerlich stehst du aber noch mittendrin.

Genau hier wird es aus Sicht der Omnitologie interessant, denn nicht dein schlechtes Gewissen ist oft das eigentliche Problem, sondern das Weitertragen selbst.

Zwei Mönche begegnen einer Frau am Fluss

Einer der beiden trägt die Frau ans andere Ufer. Stunden später beschäftigt die Situation den zweiten Mönch noch immer, da sagt der erste zu ihm: „Ich habe sie am Fluss zurückgelassen. Du trägst sie noch immer.“ Der zweite Mönch hatte die Frau körperlich längst verlassen, doch innerlich trug er sie weiter.

Genau das machen wir erstaunlich oft mit unserem eigenen Leben. Menschen verlassen Situationen äußerlich und tragen sie innerlich weiter. Ein Gespräch dauert zehn Minuten, doch die Rechtfertigung läuft noch drei Tage im Kopf. Ein Konflikt ist längst abgeschlossen, aber wir erklären uns innerlich immer noch. Eine Situation liegt hinter uns, doch sie liegt noch immer auf uns.

Was die Omnitologie dazu sagt

Das ist kein Versagen, sondern ein Muster, das viele Menschen kennen. Der erste Mönch hat geholfen, er hat getan, was in diesem Moment zu tun war und danach hat er losgelassen. Er hat nicht weitergegrübelt, nicht geurteilt und die Situation nicht noch stundenlang mit sich herumgetragen.

Genau hier setzt das Flussprinzip der Omnitologie an. Es geht dabei nicht darum, dass dir plötzlich alles egal sein soll und auch nicht darum, Verantwortung abzugeben, im Gegenteil. Die Frage lautet vielmehr, was wirklich zu dir gehört und was du am Fluss zurücklassen darfst.

Verantwortung hat irgendwann ein Ende

Hast du tatsächlich etwas falsch gemacht, dann entschuldige dich, klär es, übernimm Verantwortung für deinen Teil. Danach kommt aber eine zweite Entscheidung, nämlich ob du es auch weitertragen musst. Verantwortung und Selbstbestrafung sind schließlich nicht dasselbe.

War jemand enttäuscht von deinem Nein, hat jemand deine Entscheidung nicht verstanden, hätte ein Gespräch besser laufen können, das alles kann durchaus wahr sein. Aber nicht alles, was sich unangenehm anfühlt, muss noch drei Tage mit dir nach Hause gehen.

Wenn du also das nächste Mal merkst, dass dein Kopf längst wieder ein Gespräch führt, das in Wirklichkeit schon vorbei ist, frag dich, ob hier noch etwas zu tun ist. Wenn ja, dann tu es. Wenn nein, stell dir eine zweite Frage, nämlich warum du es noch trägst.

Dein Gewissen ist dabei gar nicht das eigentliche Problem. Wahrscheinlicher ist, dass du längst am anderen Ufer stehst und nur noch nicht bemerkt hast, dass du etwas mitgenommen hast, das du dort hättest zurücklassen können. Genau dafür gibt es das Flussprinzip.

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